Das Ulmer Münster

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts haben die Ulmer Bürger beschlossen, eine Kirche innerhalb der Stadtmauern zu bauen, und die Grundsteinlegung fand am 30. Juni 1377 statt. Die im gotischen Baustil errichtete Kirche, bekannt als Ulmer Münster, wurde zwar erst 1890 vollendet, dafür aber mit einem 161,53 m hohem Turm – der höchste Kirchturm der Welt.

Ulm, das Ulmer Münster, Innenansicht
Ulm, das Ulmer Münster, Innenansicht.
Foto: Federica Tozzi

Und dieser Turm ist heute ein Markenzeichen, nicht nur für das Münster sondern für die Stadt Ulm selbst. Er beherrscht die Gegend und die Stadt optisch – egal von welcher Richtung man sich auf Ulm zubewegt, der Turm sticht als erstes ins Auge; das ist wie in Berlin, egal wo man sich gerade befindet, man kann fast immer den Fernsehturm auf dem Alexanderplatz als Bezugspunkt annehmen. Der Turm des Ulmer Münster prägt deshalb auch viele Motive und Logos, ob von Firmen oder von verschiedenen Organisationen. Im Grunde ist er eine sehr solide Konstruktion: drei Rechteckgeschosse – Glockenraum, Martinsfenster und Vorhalle – umrundet von massiven Pfeilern, die ungefähr 70 m hoch sind.

Über die Baumeister und Baugeschichte kann man sagen, dass die erste Bauperiode sehr wichtig war: der Bau des Chors und die Entstehung der ganzen Anlage. Interessant ist der Fund einer Grabplatte – 2 m lang, 0,90 breit und 30 cm dick, die ohne Inschrift im Inneren der Kirche gefunden wurde, 40 cm tief waagerecht im Boden unter dem nordöstlichen Tor der Kirche – er gibt Anlass zu spekulieren: ist die Platte dem ersten Baumeister gewidmet? Oder nicht einem einzelnen sondern den ersten drei Kirchenbauern gemeinsam? Ein späterer Baumeister wurde urkundlich und namentlich erwähnt: Ulrich von Ensingen, er wird am 17. Juni 1392, im Alter von 30 Jahren vom Ulmer Rat für fünf Jahre als Kirchenmeister bestellt. Später spricht man von der „Epoche der Parler“, der „Epoche der Ensinger“ und der „Epoche der Böblinger und Engelberger“. Die Parler waren eine Familie von Kirchenbaumeistern, der erste von ihnen war Heinrich Parler und ihm folgten Michael Parler und Heinrich Parler d. J. – insgesamt dauerte ihre Epoche von 1377 bis 1391.

Nicht nur von Außen ist das Münster ein bemerkenswerter und bedeutender Bau und ein wahres Kunstwerk der Architektur. Auch die innere Ausstattung ist beeindruckend und hat die Besucher vieler Jahrhunderte fasziniert. Auf der Treppenbrüstung gegen Osten sind eine Menge Namen und Ziffern von Besuchern eingeschnitten; von hervorragender Schönheit ist eine Kanzeldecke aus Lindenholz, eine der wunderbarsten Schnitzarbeiten des Mittelalters. In seinem prachtvollen Aufbau ist eine kleine Treppe mit durchbrochenem Geländer angebracht. Im Chorraum sind noch sechs mittelalterliche Farbfenster gut erhalten. Das Fenster in Nord-Ost Richtung zeigt Szenen aus dem Leben der beiden Johannes. Die obere Hälfte zeigt die Geschichte Johannes des Täufers mit den dazu gehörigen Szenen wie Jesus‘ Taufe oder das Gastmahl des Herodes. Die untere Fensterhälfte zeigt dagegen die Geschichte des Evangelisten Johannes: seine Geißelung, seine Folterung in siedendem Öl und seine Vision auf Patmos. Überhaupt spielen Fenster eine große Rolle in der gesamten Architektur des Ulmer Münsters. Sie sind in verschiedenen Epochen und Kunststillen entstanden. Zu den ältesten gehören die Reste der mittelalterlichen Glasmalerei im Langhaus. Zu den neuesten gehört zum Beispiel das Israelfenster (südliche Eingangshalle) von Hans G. v. Stockhausen und zwei Fenster von Peter-Valentin Feuerstein („Verheißung“ und „Erfüllung“) – von 1985.

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