Civita di Bagnoreggio, sterbende Stadt auf dem Tuffhügel

Bagnoreggio befindet sich in der Provinz von Viterbo, fast an der Grenze zwischen Latium und Umbrien. Man erreicht die Stadt, indem man auf der Via Casia bis Montefiascone fährt. Civita di Bagnoreggio steht auf einem erdbebengefährdeten Gebiet, das sich um eine Reihe von Vulkanseen erstreckt: von dem Krater der Amiata bis zu jenem von Bolsena, und dann nach Süden gehend jene von Lago di Vico und Bracciano. Die Stadt erhob sich auf einem lamggestreckten Felsen, der von Osten nach Westen orientiert ist, in dominierender Lage auf einer Hochebene, begrenzt von zwei Flüssen.

Bagnoreggio, Stadt auf dem Felsen mit Eselweg
Bagnoreggio, Stadt auf dem Felsen mit Eselweg.
Foto: Robert F. Barkowski
Bagnoreggio: Innenansicht des Stadttores Porta Santa Maria
Bagnoreggio: Innenansicht des Stadttores „Porta Santa Maria“, mit in den Felsen gehauenen Bogen.
Foto: Robert F. Barkowski

Der Ortsname stammt aus dem Mittelalter: Bagnoreggio kommt von Balneum regis, was „das Bad des Königs“ bedeutet, und bezieht sich auf die Thermalquellen, die es in dieser Gegend gab.

Civita di Bagnoreggio steht auf einem instabilen Boden und mit diesem Problem waren schon die ersten Bewohner konfrontiert. Die Ursprunge der Stadt gehen, wie zahlreiche archäologische Funde belegen, auf die Etrusker zurück, wenn nicht gar auf die Villanovianer (IX-VIII Jh. v. Chr.), wie einige Archäologen annehmen. Reiflich durchgedachte Kanalisationsarbeiten der Etrusker, deren Spuren man heute noch in den Fersen von Civita erkennen kann, zielten darauf ab, die Regenwasser abzuleiten. Mit dem Niedergang des römischen Reiches wurden die Instandhaltungsarbeiten der Kanalstollen vernachlässigt, und die Tonerde füllte sich mit Wasser. Parallel dazu entwickelte sich eine intensive Landwirtschaft, was dazu führte, das die Bäume gefällt wurden, die mit ihren Wurzeln den Boden stabilisiert hatten. So begann der Verfall des Gebietes, dem auch ganze Teile der Stadt zum Opfer fielen, und den ältesten Stadtkern isolierte.

Im XIII Jahrhundert wurde die Stadt berühmt als Heimatstadt einer der größten Figuren der Christenheit: des hl. Bonaventura (1217-1274), der General des Franziskanerordens, Kardinal und Theologieprofessor an der Universität von Paris. Sein Geburtshaus in Civita ist seit langem leider verschwunden, von Erdrutschen und Erdbeben verschluckt.

1450 begann der Klarissinnenkloster im süd-östlichen Stadtgebiet Carcere einzustürzen, zwischen 1466 und 1469 stürzte eine Häusergruppe Richtung Lubriano ein, und 1553 verschwand die Straße, die zum Stadttor “Porta di Ponte” führte. Die Stadtchronisten überliefern immer häufiger Nachrichten über Erdabgängen, Einstürzen, Überschwemmungen und Erdrutschen, die Jahr für Jahr Teile der Stadt verschluckten. Die Situation verschlimmerte sich nach den zwei Erdbeben 1695 und 1764.

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