Der Sündenfall

Meisterwerk von Jacopo Robusti Tintoretto.

Öl auf Leinwand, um 1550, 150 x 220 cm; Die dargestellte Szene geht dem Sündenfall unmittelbar voraus: Eva hat die Frucht, die ihr die Schlange dargeboten hat, genommen und reicht sie Adam. Der Körper der jungen Frau ist nur mit einem Zweig bedeckt.

Der Sündenfall
Der Sündenfall.
Quelle: Wikimedia Commons

Tintoretto stellt die Schlange mit dem Kopf eines Säugetiers dar, das bereits einen weiteren Apfel im Maul bereithält. Dass die Schlange als das Tier gilt, das den Menschen versucht, hängt damit zusammen, dass sie in den frühen Kulturen des Orients Symbol der Unsterblichkeit und der Fruchtbarkeit war und damit Objekt der idolatrischen Kulte der Kananäer, der Urbevölkerung des Heiligen Landes.

Im Hintergrund zeichnet sich bereits das unmittelbare Ergebnis des Sündenfalls ab: Ein Engel mit Flammenschwert vertreibt Adam und Eva auf Gottes Befehl aus dem irdischen Paradies. Adam und Eva, beide nackt, laufen ins Dunkel und in die Ungewissheit.

Der hl. Markus befreit einen Sklaven

Meisterwerk von Jacopo Robusti Tintoretto.

Die Gemälde, entstanden 1548 im Auftrag der Scuola Grande di San Marco, ist einer der Glanzpunkte im Schaffen des Meisters, der sich mit diesem Meisterwerk in den venezianischen Künstlerkreisen durchsetzte.

Auf der Leinwand wird eine Geschichte gezeigt, in der ein Sklave aus der Provence sich dazu entschloss, die Reliquien des Heiligen zu verehren, wobei sein Besitzer ihn dafür, durch Blendung und Brechung der Beine, bestrafen wollte. Dem Sklaven kam hl. Markus zu Hilfe und verhinderte die dessen Verurteilung. Markus, der Schutzpatron Venedig, steigt vom Himmel, um den Sklaven von den Ketten zu befreien. Keine der zahlreichen Personen bemerkt die Erscheinung des hl. Markus, aber alle beobachten verblüfft das wunderbare Zerbrechen der Ketten und Folterinstrumente.

Tintoretto: Der hl. Markus befreit einen Sklaven
Tintoretto: Der hl. Markus befreit einen Sklaven.
Quelle: Wikimedia Commons

Tritz der manieristischen Posen sind Tintorettos Figuren von großer Konkretheit und Robustheit geprägt. Der mächtige Körper des Sklaven auf dem Boden bildet gleichsam den perspektivischen Konterpart zum hl. Markus.

Im Hintergrund sind Bauten im klassizistischen Still sichtbar. Unten links auf der Gemälde steht eine bärtige Person, die man als Tommaso Rangone, den gelehrten Arzt identifiziert, der 1562 „guardian grando“ der Scuola Grande di San Marco wurde.

Das Jüngste Gericht

Meisterwerk von Hans Memling

Triptychon, 1467 bis 1471, Ölmalerei auf Eichenholz. Das in Brügge gemalte Triptychon wurde vom Bankier der Medici Jacopo Tani in Auftrag gegeben, doch das Schiff, das es nach Florenz bringen sollte, wurde von einem Hanseschif aus Danzig gekapert und ausgeplündert. Das Gemälde gelangte nach Danzig und wurde ungeachtet der Forderungen des Papstes und Lorenzo il Magnificos nicht zurückgegeben.

Hans Memling, Das Jüngste Gericht
Hans Memling, Das Jüngste Gericht (Nationalmuseum Danzig).
Foto: Robert F. Barkowski

Mitteltafel: hier ist die Auferstehung der Toten und die Scheidung von Seligen und Verdammten, mit dem Wettstreit zwischen Engeln und Teufeln dargestellt.

  • Der Wille Christi lenkt die Weltkugel, zum ersten Mal ist die Hölle nicht als Teil der oberen Welt sondern als echte Unterwelt dargestellt,
  • die Lilie steht für die Barmherzigkeit,
  • Erzengel Michael führt die den Dämon bekämpfende Engelschar an, er steht auf einer weiten Ebene und trennt mit seiner Waage und dem Kreuzstab die guten von den schlechten Seelen. Er trägt eine Lombardische Rüstung aus der damaligen Zeit.

Linker Flügel Die Paradiesespforte, wird beherrscht von den Pforte des Paradieses.

Das Jüngste Gericht, Detail 1
Das Jüngste Gericht, Detail 1 (Nationalmuseum Danzig).
Foto: Robert F. Barkowski
  • Christus als Weltenrichter über die Lünette der Paradiesespforte,
  • von den Zinnen der im gotischen Still erbauten Himmelpforte begrüßen musizierende Engel die Gerechten mit einem Konzert,
  • der Schlüssel ist Attribut des hl. Petrus gemäß der Verbindung Jesu, der Petrus die Schlüssel des Himmelreiches übergab,
  • der hl. Petrus nimmt die Seelen der Geretteten bei ihrem Eintritt in das Paradies in Empfang.

Rechter Flügel Die Hölle; Memling konzentriert sich hier stärker auf die Gestalten und Gesichter der Verdammten als auf die Erfindung von furchterregenden und grotesken Teufeln.

Das Jüngste Gericht, Detail 2
Das Jüngste Gericht, Detail 2 (Nationalmuseum Danzig).
Foto: Robert F. Barkowski
  • Die Verdammten werden von schwarzen Dämonen in das Höllenfeuer getrieben,
  • hier auch ein Engel, der die Trompete bläst.

Geschichte

Im Jahre 1473 befanden sich Hanseatische Städten im Krieg gegen England und den König Edward IV., so genannter Rosenkrieg. Da der Krieg meistens als Kaperkrieg geführt wurde, haben die Hansastädte mehrere Kaperschiffe gebaut, ausgerüstet und gegen englische Flotte geschickt. Eins davon war Peter von Danczk, einer der größten Kraweel im Ostseeraum, das die Danziger Bürger Johann Sidinghusen, Tideman Valandt und Reinhold Niederhoff im Jahre 1472 gekauft haben. 1473 übernahm der Kapitän Paul Beneke das Kommando über das Schiff. Am 27 April 1473 kaperte Peter von Danczk vor der englischen Küste eine florentinisch-burgundische Galeere San Matteo, die von Brügge nach Southampton unterwegs war. Die Beute war enorm, im Wert von 48 000 Goldgulden, unter anderem das Gemälde Das jüngste Gericht, das kurz danach an die Marienkirche in Danzig geschenkt würde.

Die beiden Mütter

Meisterwerk von Giovanni Segantini.

Als das Bild 1891 bei der Trienale di Brera ausgestellt wird, beschränken sich die Kritiker aufs Beschreiben von Motiv und Technik. Erst später wird den symbolischen Aspekten größere Bedeutung beigemessen und das Bild zur Allegorie der Mutterschaft schlechthin erklärt.

Giovanni Segantini: Die beiden Mütter
Giovanni Segantini: Die beiden Mütter.
Quelle: Wikimedia Commons

Die gesamte Komposition zentriert sich um den Lichtschein der Lampe, die von der Decke hängt. Der Künstler weiß ihr magisches Leuchten durch Anwendung der divisionistischen Rasterstruktur aufs Beste zur Geltung zu bringen.

Die Parallele zwischen Tier und Mensch erscheint auch in anderen Werken Segantinis, sie spricht von der Sensucht des Künstlers nach spiritueller Verschmelzung von Mensch und Natur.

Almweiden im Frühling

Meisterwerk von Giovanni Segantini.

Der Künstler erzeugt aus einem dichten Netz von Gelb- und Grüntönen die Vorstellung von lebendigem Grün der Wiese.

Ab 1894 verbringt Giovanni Segantini viele Monate im Jahr auf der Kuomi-Hütte in 1800 m Höhe, um in unmittelbarer Nähe zu seinen geliebten Bergen malen zu können.

Giovanni Segantini: Almweiden im Frühling
Giovanni Segantini: Almweiden im Frühling.
Quelle: Wikimedia Commons

Das vibrierende Zusammenspiel von Farbe und Licht nimmt dem grandiosen Panorama der schneebedeckten Berge im Hintergrund ihre Massivität und verbindet Naturempfinden mit symbolhafter Aussage und emotionaler Wirkung.

Der Anblick der weidende Tiere, deren Felle hell leuchten, erzeugt ein Bild von Frieden und göttlicher Ruhe.

Jahr: 1896.

Der Ursprung der Milchstraße

Meisterwerk von Jacopo Robusti Tintoretto

Öl auf Leinwand, Ausschnitt, um 1575; Venezianische Schule im Still des Manierismus; Die Gemälde hat Tintoretto für den Habsburger Kaiser Rudolf II. in Prag gemalt, und stellt eine Episode aus dem Leben des Herkules. Herkules wurde von den Habsburgern als einer ihrer mythischen Vorfahren in den Vordergrund gerückt. Jupiter kommt angeflogen, mit dem Kind Herkules im Arm. Dieses saugt kräftig an Junos Brust. Aus Junos Milch, die in den Himmel spritzt, entsteht später die Milchstraße. Die Szene spielt sich in den Wolken ab und die zuschauende Gesselschaft besteht aus flatternden Putti.

Jacopo Robusti Tintoretto: Der Ursprung der Milchstraße
Jacopo Robusti Tintoretto: Der Ursprung der Milchstraße.
Quelle: Wikimedia Commons

Die kosmischen Elemente wurden in der Renaissance-Malerei häufig durch heidnische Götter wiedergegeben.

Der Pfau ist Junos fester Begleiter, der Adler ist der Vogel ihres Gemahls Jupiter. Der kuriose Gegenstand, den der Adler in seinen Klauen hält, ist ein weiteres Attribut Jupiters, ein Bündel Blitze.

Das Netz ist ein Symbol des Betrugs und verweist auf Jupiters List, seiner Frau einen Bastard unterzuschieben und von ihr stillen zu lassen. Bei den Pfeilen, dem Bogen und der Fackel der anderen Putti handelt es sich um erotische Symbole.

Die Erschaffung der Tiere

Meisterwerk von Jacopo Robusti Tintoretto.

Auf der Gemälde, 1550-53, läßt Gottvater eine große Zahl lebendiger Geschöpfe entstehen. Gottvater ist dargestellt, wie er am fünften Tag, nachdem er die Fische im Meer und die Vögel des Himmels geschaffen hat, diese segnet und spricht: „Seid fruchtbar und vermehrt euch …“. An dem Himmel setzt Gott die „gefiederten Vögel“ in allen ihren Arten. Die Vögel sind dargestellt. wie sie durch die Luft schießen. Im Meer schafft Gott die großen Wale und alle anderen „Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt“.

Jacopo Robusti Tintoretto: Die Erschaffung der Tiere
Jacopo Robusti Tintoretto: Die Erschaffung der Tiere.
Quelle: Wikimedia Commons

Hinter Gott sind in ungehemmtem Lauf die Landtiere zu sehen. Nachdem Gott das Licht des Tages und die Finsternis der Nacht geschaffen hatte, schuf er am fünften Tag alle Arten von Tieren auf dem Land. Unter den Tieren des Landes erscheint auch das mythische Einhorn.

Die höchst akribische Ausführung der zahlreichen Fische lässt sich wohl mit dem ursprünglichen Standort der Gemälde erklären, der Scuolla della Trinita in Venedig, ein Gebäude, das an der Lagune am Ende des Canal Grande errichtet worden war.

Die Preußische Huldigung

Meisterwerk von Jan Matejko.

Ölgemälde, 1879-82, 388 x 785 cm. Größte und eine der wichtigsten Gemälden Matejkos, sein Meisterwerk, die die Glanzzeit polnischer Geschichte herauf beschwört: Das Werk zeigt den Kniefall und Huldigung des ehemaligen Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht Hohenzollern von Preußen, vor den polnischen König Sigismund I. dem Alten, am 10. April 1525. Albrecht leistet somit dem polnischen König den Lehnseid. Der polnische Hof erstrahlt in Feierlichkeit und Pomp, der Zugang zum Baltischen Meer – Ostsee – verspricht Wohlstand und Macht. Einzig Stańczyk, der melancholische Hofnarr, will sich an der Zeremonie nicht erfreuen, seine Nachdenklichkeit verweist auf kommende düstere Tage – im 18. Jahrhundert hatte Preußen größen Anteil an die Teilungen Polens.

Jan Matejko: Die Preußische Huldigung
Jan Matejko: Die Preußische Huldigung.
Quelle: Wikimedia Commons

Als die Gemälde entstand, war Polen zwischen Russland, Österreich und Preußen geteilt, daher wundert nicht, dass die Preußen Wutanfälle bekamen: der Vorfahr des deutschen Kaisers Wilhelm I., der Hohenzollernfürst Albrecht, vor dem polnischen König kniet und ihm den Lehnseid leistet! Matejko betrachtete seine Kunst als „Art-Waffe“ zur Bewahrung der kulturellen und nationalen Identität seiner Landsleute in der Zeit der Unterdrückung durch die Teilungsmächte – und die Botschaft ist klar: Ein preußisches Herzogtum von Polens Gnaden, ein Tag des Triumphes in der polnischen Geschichte.

Im Bild befinden sich zwei Selbstporträts Matejkos: einer ist der Stańczyk, der zweite, der unten in der linken Ecke steht, ist Bartolomeo Berrecci, Architekt und Wiederaufbauer des Wawels.

Der hl. Franziskus empfängt die Wundmale Christi

Meisterwerk von Jan van Eyck.

Öl auf Holz, 1432; Auf der Gemälde Franziskus empfing die Wundmale des Gekreuzigten an Händen, Füßen und Brust. Das herausstellende Merkmal wurde zu seinem ikonographischen Attribut. Der Gekreuzigte mit den Flügeln eines Seraphs drückt Franziskus die Stigmata auf – die bildliche Umsetzung der Vision, die der Heilige auf dem Berg La Verna hatte.

Jan van Eyck: Der hl. Franziskus empfängt die Wundmale Christi
Jan van Eyck: Der hl. Franziskus empfängt die Wundmale Christi.
Quelle: Wikimedia Commons

Die gebirgige und felsige Landschaft ist eine faszinierende Erfindung des flämischen Meisters. Die Farbtöne der Felsen und Bäume sind mit dem Braun der Kutten der beiden Mönche abgestimmt.

Die Gestalt des Bruder Leo, des Gefährten von Franziskus, bildet einen geometrisch geschlossenen Körper, der an Giotto erinnert.