Schloss und Festung von Manfredonia in Apulien

Die Stadt Manfredonia liegt im italienischen Apulien, Provinz Foggia, an einer felsiger Garagno-Küste der italienischen Adria. Gründungsgeschichte: Im Jahre 1256 gründete Manfred von Hohenstaufen die Stadt Manfredonia und siedelte dort die Flüchtlinge aus Siponto an (Siponto wurde nach dem Erbeben und Infolge der Sarazenen Angriffe praktisch unbewohnbar). Sipponto wurde somit die Urmutter von Manfredonia. Eine Folge von Kriegen, Gewalten und Eroberungen gekennzeichnet die Geschichte von Manfredonia: Goten, Byzantiner, Langobarden, Slawen, Sarazenen, Normannen, Anjou, Spanier, Franzosen und Türken haben abwechselnd die Stadt besetzt, gestürmt und geplündert.

Manfredonia, Blick vom Schloss auf Gargano Küste, Adria
Manfredonia, Blick vom Schloss auf Gargano Küste, Adria.
Foto: Robert F. Barkowski

Manfred war Sohn von Kaiser Friedrich II. und Bianca Lancia, die größte Liebe des Kaisers, der sie, im Sterben liegend, geheiratet hat – somit Manfred Geburt legitimiert würde. Manfred war ein sehr tatkräftiger Adliger seiner Epoche – er war unter anderem König von Sizilien und Fürst von Tarent – der die Politik seines Vaters energisch fortsetzte. Er gab zwar die Bau der Stadt und des Schlosses in Auftrag, erlebte selbst die Fertigstellung nicht mehr; Er fiel in der Schlacht von Benevent am 26. Februar 1266 gegen Karl von Anjou, der an der Spitze eines französisches Heeres von Rom aus zum Kreuzzug gegen Manfred auftrat. Die Sieger haben die Festung vollenden lassen.

Manfredonia, Schlossplan
Manfredonia, Schlossplan.
Foto: Robert F. Barkowski

Die architektonischen Nuancen der Anlage zeigen die Einflüsse der abwechselnden Dynastien und Herrschaften: Hohenstaufen, Anjou, Plantagenet. Obwohl heute in vielen Beschreibungen die Rede von „Schloss des Hauses Anjou-Plantagenet“ ist, zeigt das Schloss mit seiner geometrischen Regelmäßigkeit und der gesamten geradlinigen Struktur seinen architektonischen Baustil auf den schwäbischen Ursprung der Anlage.

Manfredonia, Turm
Manfredonia, Turm.
Foto: Robert F. Barkowski

Das Schloss wurde außerhalb der im Schachbrettmuster angelegten Stadt errichtet. Das Schloss reicht, gänzlich von bebauten Flächen umgeben, ins Meer hinaus. Am Anfang war es von einem tiefen Graben umgeben und an einer Ecke mit der Stadtmauer verbunden. Später baute man einen Mauerring mit drei runden Türmen und eine fünfeckige Bastion „Baluardo dell´ Annunziata“ dazu. Die Türme befinden sich zwischen dem älteren Kern und der angovinischen Mauer. Den Mauerumriss, der zur Verteidigung des Schlosses diente, ziert ein großes Tor – der Eingang zum Schloss. Die mächtigen Eckbollwerken sind charakteristisch für den Baustil der Hohenstaufen – Kaiser Friedrich II. hat allein in Apulien 68 Schlösser und 42 Paläste errichtet.

Seit 1980 befindet sich im Schloss eine Abteilung des Museo Archeologico Nazionale von Manfredonia, mit einer großer Sammlung Daunischer Stelen. Daunier waren Immigranten aus Illyrien, die im 7./6. vorchristlichen Jahrhundert kamen und die Stadt Siponto gründeten. Die Geschichte der Daunier wird durch durch 2000 Stelen dokumentiert. Die Daunischer Stelen sind anthropomorpher Grabmäler aus der Eiszeit, die mit geometrischen Muster, Szenen aus dem Alltag und Darstellungen uralten Mythen geschmückt sind. Jede Stele ist durch eine Kopfabbildung der Person gekrönt, denen die Stele gewidmet ist. Die verschieden, in Stein gereizten und teilweise bemalten Szenen befinden sich auf zwei Seiten einer Stele, und zeigen oft die kompakte Geschichte einer Person, ihre Taten, beruflicher Werdegang und besondere Aktivitäten. Außer der Stelen sind auch andere neolithische Objekte im Museum zu bewundern, fast alle aus den umliegenden Siedlungen um Manfredonia: Masseria Candelaro, Masseria Fontanarosa, Monte Acquilone sowie aus der Scaloria-Höhle.

Manfredonia, Daunische Stele im Archeologische Museum im Schloss
Manfredonia, Daunische Stele im Archeologische Museum im Schloss.
Foto: Robert F. Barkowski