Die Teufelsköpfe von Želízy – ein Ausflug in die Kulturgeschichte Tschechiens

– Želízy bei Liběchov (Liboch) in Böhmen –

Schon seit mehr als 170 Jahren schauen die über neun Meter hohen Teufelsköpfe bei Želízy (Schelesen) über das kleine Flüsschen Liběchovká zur Elbe hinüber. Wie Wächter stehen sie neben der kleinen Straße von Mělník nach Česká Lípa (Böhmisch Leipa). Sie sind Teil eines ganzen Arsenals von Sandsteinskulpturen, die im Kiefernwald nördlich von Liběchov (Liboch) an Ort und Stelle aus dem natürlichen Fels gearbeitet wurden. Es sieht ein bisschen aus wie das Mount Rushmore National Memorial in den USA, nur dass dies hier keine Staatsmänner sind.

Certový hlavy - Teufelsköpfe von Václav Levý
Certový hlavy – Teufelsköpfe von Václav Levý.
Foto: Klaus Stich

Figuren von Václav Levý (1820–1870) schmücken seit dieser Zeit auch den Schlosspark von Schloss Liboch. Die Felsenkapelle der Hl. Maria Magdalena und viele weitere Skulpturen, darunter eine Harfenspielerin, linker Hand vier menschliche Gesichter im Fels, unweit davon am Fuße des Felsens eine neun Meter lange Schlange, eine Räuberhöhle und den vier Meter hohen Turm von sieben aufgetürmten Broten kann man in unmittelbarer Nähe sehen.

Diese Skulpturen am Rande des Kokoříner Sandsteingebietes wurden 1841–46, in der Zeit der Romantik, von einem der führendsten Steinbildhauer Böhmens, Václav Levý geschaffen und waren sein erstes großen Werk.
Er war gerade mit seiner Tischlerlehre fertig und arbeitete als Küchenhilfe im Libocher Schloss. Die Felsen der Umgebung inspirierten ihn zu diesen Werken. Und der Herr auf Schloss Liboch, Anton Veith, stiftete ihm als erstes ein Studium in Prag. Sein Rüstzeug als Bildhauer bekam er von Ludwig Schwanthaler in München, dessen Statuen historischer und mythischer Gestalten tschechischer Geschichte auch hier im Nachbardorf Tupadly ihren Platz fanden und heute im Nationalmuseum in Prag zu bewundern sind.
Levý stellte nach seiner Rückkehr nach Prag jedoch fest, dass es keine Arbeit für ihn gab. In fünf Jahren schuf er gerade zwei Figuren. Er lebte dann in Rom, bis er vier Jahre vor seinem Tod nach Prag zurückkehrte. Hier schuf er noch Statuen von Heiligen in der Prager Karl-Borromäus-Kirche, der heutigen Kyrill- und Methodiuskirche oder sein berühmtestes Werk, die Skulptur Adam und Eva.

In der Höhle Klácelka in Želízy sind Tierallegorien menschlicher Schwächen dargestellt, die den Fabeln von F. M. Klácel entlehnt wurden. Im Vorraum hinter einem Eisengitter dösen heroische Figuren der tschechischen Geschichte vor der Höhle dahin, wie Jan Žižka, Prokop der Kahle und Zdenko von Zasmuk mit seinen Zwergen, welche Waffen für die Blaník-Ritter schmieden. Dieser Platz vor der Klácelka-Höhle wird Blaník, nach dem legendären gleichnamigen Berg und seinen Blaník-Rittern genannt, welche in schwierigen Momenten vom tschechischen Volk immer wieder beschworen werden.

Am Schloss Liběchov (Liboch) beginnt ein Rundweg von 12–16 km Länge, welchen wir mit Hilfe der Blaník-Ritter bewältigen werden.

Holstentor

Das Holstentor ist eines der Wahrzeichen Lübecks und vielleicht sogar das wichtigste und einprägsamste. Der eindrucksvolle Backsteinbau begrenzt heute die Altstadt Lübecks in westlicher Richtung. Das Tor ist eines der beiden noch erhaltenen alten Stadttore, sein genaues Entstehungsjahr liegt im Dunkel der Geschichte verborgen. Als im Jahre 1216 in einer Schenkungsurkunde, die den dänischen König betraf, die Holstenbrücke Erwähnung fand, existierte mit großer Wahrscheinlichkeit bereits ein Vorläufer des heutigen Holstentores.

Lübeck: Holstentor, Ansicht im Sommer
Lübeck: Holstentor, Ansicht im Sommer.
Foto: Birger Dimter

Der Name ist übrigens eine Verballhornung von Holstein, denn das Tor wurde so genannt, da es in Richtung Holstein zeigte. Die architektonische Gestaltung der Innen- und Außenseite entspricht den unterschiedlichen Funktionen der beiden Seiten. Die der Stadt zugewandte Seite ist naturgemäß reich geschmückt und mit verschiedenartigen Fenstern verziert und gibt so ein prächtiges Bild ab. Die sogenannte Feldseite weist Schießscharten und Aussparungen für die Geschützkammern auf. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Tor immer wieder erweitert und umgebaut. Dabei sind viele Ornamente und Schmuckelemente angebracht worden. Am auffälligsten sind zwei Terrakottabänder, die sich um das gesamte Bauwerk herum erstrecken.

Die beiden Inneräume des Lübecker Holstentores sind gleichartig konstruiert und mit stark gewundenen Wendeltreppen ausgestattet. Früher befanden sich hier die Geschütze zur Verteidigung der Stadt. Die Erhaltung der Wehrhaftigkeit war ursprünglich die eigentliche Aufgabe dieses Tores und der angeschlossenen Brückenanlage. Lübeck war eine reiche Hansestadt und sah sich demzufolge immer wieder mit Angriffen von Neidern und Feinden konfrontiert.

Mit dem Einsetzen der Industrialisierung hielten einige Bürger das Holstentor für ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das dem Fortschritt im Wege stünde. Das Tor sollte komplett abgerissen werden. Nur auf die Intervention des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. hin, der seinen Konservator nach Lübeck schickte, wurde den Zerstörungen Einhalt geboten. Nach einigen Versuchen, das Tor wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, erfolgte in den Jahren 2005/2006 eine erneute und fachlich fundierte Restaurierung, die etwa eine halbe Million Euro kostete.

Heute dient das Holstentor als Museum, in dem die Geschichte Lübecks dargestellt wird. Sowohl archäologische Funde sowie Modelle und Bilder dienen zur Veranschaulichung der Historie der Stadt. Eine Abbildung des Holstentores ziert die Rückseite der 2-Euro Münzen der Prägung aus dem Jahre 2006.
Weitere Informationen über das Holstentor und die Hansestadt Lübeck ganz allgemein finden sich unter: www.urlaub-luebeck.de.

Autor: Birger Dimter.

Schloss Altenstein

Das Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein befindet sich im Wartburgkreis in Thüringen auf einem weitläufigen Parkgelände. Der Kurort Bad Liebenstein liegt im Naturpark Thüringer Wald und war der größte Herzkurort der ehemaligen DDR (Nähere Informationen zu Bad Liebenstein finden sich hier: www.urlaub-bad-liebenstein.de). Das Schloss Altenstein wurde im Jahr 1736 erbaut und im Jahr 1800 zu einer Sommerresidenz erweitert.

Bad Liebenstein, Schloss Altenstein
Bad Liebenstein, Schloss Altenstein.
Foto: Birger Dimter

Bereits 1225 existierte an der Stelle des ehemaligen Wohnschlosses der Meininger Herzöge eine Burg mit dem Namen Altenstein, deren Besitz im Jahr 1346 an den Landgrafen von Thüringen überging. Diese Burg wurde 1554 überfallen, geplündert und verwüstet. Der Wiederaufbau begann drei Jahre später, jedoch in einem bescheideneren Stil in Renaissance-Bauweise. Das Eigentum an der Burg erlangten die Herzöge von Sachsen-Meiningen im Jahr 1680 durch eine Erbschaft.

Im Jahr 1710 ließen die Herzöge die Ruine der alten Burg Altenstein weitestgehend abreißen, da ein zweigeschossiges einfaches Landhaus gebaut werden sollte. Das Gebäude wurde östlich um Räume für die Hofhaltung, Bewirtschaftung und für die Unterbringung von Gästen erweitert. Im Schlosspark wurden Pavillons aufgebaut, verschiedene Blumenbeete und Rabatten angelegt und ein Netz von Treppen und Wegen errichtet.

Von 1798 bis 1804 erfolgte ein teilweiser Umbau zur Sommerresidenz. Der Altensteiner Park wurde im Stil eines englischen Gartens angelegt. Eine Erweiterung und Umgestaltung folgte in den Jahren 1846 bis 1852. Für Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen wurde das Schloss von 1888 bis 1889 erneut umgebaut. Als Vorbild dienten die Landhäuser aus der englischen Spätrenaissance. Mit der Abschaffung der Monarchie jedoch verlor das Schloss Altenstein seine Funktion als Sommerresidenz.

Nachdem das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Erholungsheim der Handwerkskammer diente und 1979 zum Denkmal der Landschafts- und Gartengestaltung wurde, wurde das Bauwerk infolge eines Brandes im Jahr 1982 zum großen Teil zerstört. Die bereits vor der Wende begonnenen Instandsetzungsarbeiten wurden nach Übergang an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wieder aufgenommen und seitdem schrittweise fortgeführt. Die Fertigstellung des Schlosses ist für das Jahr 2015 geplant.

Autor: Birger Dimter

Streckelsberg in Koserow

Die Ostsee und ihre Küstenregionen und Inseln sind weit über ihre Grenzen hinaus für viele Sonnenstunden im Jahr, eine hervorragende Wasserqualität und die endlosen langen und feinsandigen Strände bekannt. Zu den begehrten Reisezielen gehört die Ostseeinsel Usedom, denn hier finden Urlauber eine große landschaftliche Vielfalt und zahlreiche Möglichkeiten, einen abwechslungsreichen Urlaub zu verbringen. Naturbelassene Regionen gehören ebenso dazu wie viele Sehenswürdigkeiten, die als touristische Anziehungspunkte überzeugen.

Koserow, Blick vom Streckelsberg
Koserow, Blick vom Streckelsberg.
Foto: Birger Dimter

Inmitten dieser atemberaubenden Natur, zwischen den bekannten Seebädern Kölpinsee und Koserow, liegt eines der regionalen Highlights Usedoms: der Streckelsberg. Rund 60 Meter hoch ragt die berühmte Kliffranddüne empor, die als dritthöchste Erhebung einen unvergleichlichen Panoramablick entlang der Außenküste der Insel gewährt. In direkter Nachbarschaft zum einstigen Fischerort Koserow und unweit des malerischen Dorfes Kölpinsee, gehört der Streckelsberg zu den meist besuchten Aussichtspunkten von Usedom. (Zahlreiche Fotos von Koserow und Impressionen des Streckelbergs finden sich hier.)

Dabei hat der Streckelsberg bei Koserow eine wechselhafte Vergangenheit hinter sich, die ihren Ursprung als Stauchendmoräne in der Eiszeit hatte. Im Laufe der Zeit schrumpfte der Streckelsberg, bedingt durch Erosionen und die Nähe zum Meer. Allein in den vergangenen 300 Jahren trugen Wind und Wellen mehr als 250 Meter des imposanten Bergs ab. Um dem entgegen zu wirken, werden seit 1995 entsprechende Küstenschutzmaßnahmen eingesetzt wie Wellenbrecher, künstliche Sandanspülungen und eine mehrteilige Schutzmauer. Die rauen Herbststürme mit ihrer starken Brandung verstärken abtragende Effekte, sodass sich der Umfang dieser sehenswerten Erhebung stetig reduziert.

Das einstige Fischerdörfchen Koserow liegt an der ostseeabgeneigten Seite. Von hier aus lassen sich im gesunden Ostseeklima ausgedehnte Spaziergänge zum stark bewaldeten Streckelsberg unternehmen. Hier finden Naturliebhaber noch eine weitestgehend unberührte Natur, in der sich auch heute noch viele geschützte Pflanzen- und Tierarten wohlfühlen. Selbst Orchideen sind auf dem Streckelsberg zu finden, der als Aussichtspunkt von der Spitze einen unvergesslichen Blick über die Küstenlinie gewährt. Liebevoll von Bauern und Fischern der Region als „witter Barg“ bezeichnet, hält sich bis heute die Legende, dass sich der Seeräuber Klaus Störtebecker einst in den Höhlen des Streckelsbergs versteckt haben soll. 1961 wurde der Berg zum Naturschutzgebiet erklärt, was als Sinnbild für die Naturschönheiten der Ostseeinsel Usedom verstanden wird. Der Streckelsberg in Koserow gilt als weit über die Grenzen hinaus beliebtes Reiseziel von ruhesuchenden Touristen aus dem In- und Ausland.

Autor: Birger Dimter

Port Winston

Nach dem Kriegseintritt der USA Ende 1941 und der Niederlage bei Stalingrad war klar, dass Hitlerdeutschland den 2. Weltkrieg verlieren würde. Langsam aber sicher zog sich das Netz um das III. Reich immer enger. Der ‚Wüstenfuchs‘ Rommel wurde zur Westküste Frankreichs geschickt, um die befürchtete Invasion der Aliierten zu verhindern.

Arromanches, Port Winston
Arromanches, Port Winston.
Foto: Arvid Zemkus

Doch trotz allen Aufwandes war der Untergang nicht mehr aufzuhalten, denn auch die Anti-Hitler-Koalition unternahm unglaubliche Anstrengungen, um ihr Ziel – die Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus – umzusetzen. Eines der aufwendigsten Projekte war die Schaffung künstlicher Hafenanlage, von denen heute noch gewaltige Spuren des Port Winston sichtbar sind. Riesige Landestege aus Beton wurden komplett über den Ärmelkanal gebracht, um das gefährliche Unternehmen der Invasion zu unterstützen. Es sollten drei dieser Häfen entstehen, doch heftige Unwetter zerstörten umgehend zwei Drittel der Anlagen. Lediglich Port Winston konnte seine Bestimmung erfüllen. Heute liegen die Betonklötze noch immer in einem weiten Halbkreis vor der westfranzösischen Küste und verrotten dort langsam aber sicher. Von der umliegenden Küste hat man einen guten Überblick über das gesamte Halbrund und ein wenig wird die Dimension der damaligen Landung gegenwärtig. Port Winston – ein beeindruckendes Zeugnis zum 2. Weltkrieg!

Krämerbrücke

Zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten Erfurts gehört zweifellos die Krämerbrücke in der Altstadt. Anders, als die meisten Brücken, die nur zur Überquerung von Flüssen oder Gleisen dienen, ist das bekannte Wahrzeichen der Stadt mit Häusern bebaut, ähnlich wie in Florenz die Ponte Vecchio. Die Erfurter Krämerbrücke ist das einzige Bauwerk dieser Art nördlich der Alpen. Sie war Teil eines alten Handelsweges, vor fast 900 Jahren siedelten sich schon die ersten Kaufleute auf ihr an. Damals bestand die Brücke noch aus Holz und wurde daher im Laufe der Geschichte mehrfach bei Bränden zerstört.

Erfurt, Außenansicht der Krämerbrücke
Erfurt, Außenansicht der Krämerbrücke.
Foto: Birger Dimter

Im Jahre 1325 wurde sie erstmals aus Stein errichtet und ebenfalls mit kleinen Buden für die Händler bebaut. An ihrem östlichen Ende entstand die Ägidienkirche und im Westen die inzwischen abgerissene Benediktikirche. Auch diese Gewölbebrücke wurde durch einen Brand verwüstet, aber wieder aufgebaut. Ursprünglich wurden 62 schmale Häuser auf ihr errichtet, die inzwischen aber zu 32 Gebäuden zusammengefasst worden sind. Die meisten von ihnen befinden sich im Besitz der thüringischen Landeshauptstadt.

Durch die beiderseitige, lückenlose Bebauung merken die Passanten, die hier über das Kopfsteinpflaster schreiten, eigentlich gar nicht, dass sie gerade den Fluss Gera überqueren. In den Häusern befinden sich viele kleine Geschäfte, in denen Mode, Antiquitäten und Kunsthandwerk verkauft werden. Doch auch Praxen, Kanzleien und Cafés sind hier zu finden. Viele der alten Häuser mit ihrem Fachwerk sind, für sich allein betrachtet, schon kleine Sehenswürdigkeiten. Die Krämerbrücke ist gewissermaßen ein Freilichtmuseum.

Ende des 19. Jahrhunderts war sogar einmal der Abriss der Brücke geplant. Das Unternehmen scheiterte glücklicherweise, sonst wäre Erfurt um eine bedeutende Attraktion ärmer. Heute werden die Häuschen liebevoll gepflegt und restauriert, ohne dabei ihren Charme einzubüßen. Die „Stiftung Krämerbrücke“ kümmert sich um den Erhalt der historischen Bausubstanz und die Interessen der Anwohner.

Eine Besonderheit ist alljährlich das Krämerbrückenfest im Juni. Dann drängen sich zwei Tage lang auf dem 125 Meter langen Bauwerk noch mehr Menschen als sonst, um die Auftritte zahlreicher Musiker und das traditionelle Abschlussfeuerwerk zu erleben. Und bei dem mittelalterlichen Markttreiben mit Gauklern und Händlern fühlen sich die Besucher in jene Zeit versetzt, als die ersten hier lebenden Krämer der Brücke ihren Namen gaben.
(Beschreibungen weiterer Erfurter Sehenswürdigkeiten finden sich auf www.erfurt-ferienwohnung.de).

Autor: Birger Dimter.