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Nikolaiviertel – die „Altstadt“ von Berlin

Heute weiß niemand, wann genau Berlin entstanden ist – es gibt eben keine schriftlichen Hinweise auf den Geburtstmoment. Sicher ist nur, dass ab dem Ende des 11. Jahrhunderts in dieser Gegend die Christianisierung der hier siedelnden Stämme in Angriff genommen wurde. ‚Taufe oder Schwert‘ hieß damals die Wahl und in diese Epoche fällt auch die Siedlungsgründung an einer Furt in der Spree.

Berlin, Nikolaiviertel
Berlin, Nikolaiviertel.
Foto: Arvid Zemkus

Denn wenn wir auch das Datum der Gründung nicht kennen, so wissen wir gang genau, wo der Ursprung Berlins liegt; nämlich im Bereich des heutigen Nikolaiviertels. Eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt umgebend, findet man hier noch einige Spuren aus der etwa 800 Jahre andauernden Geschichte der Stadt. Sei es ein Haus, in dem einst ein gekröntes Haupt Zuflucht vor der ‚weißen Frau‘ suchte, sei es die älteste Gaststätte Berlins, sei es der Ort, wo man im Mittelalter verurteilt und anschließend gleich an den Pranger gestellt wurde. Dabei sind nur wenige Gebäude hier wirklich alt, d. h. sie stammen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Das Meiste was man sieht, ist ein Projekt aus der Zeit des ‚Kalten Krieges‘. Aufgebaut zum 750. Geburtstag der Stadt im Jahre 1987 gilt den meisten Berlinern dieses Viertel als ’sozialistisches Disneyland‘. Doch es gibt echte Schätze in diesem Bereich. Schmale Häuser, die nicht mal 10m breit sind, Darstellungen an Häusern, die die Geschichte des Kommunismus verherrlichen und eben auch einen echten Schatz!
Wenn Sie nun neugierig geworden sind, führe ich Sie gerne durch die ‚Altstadt‘ von Berlin; auf der Suche nach ein paar alten Knochen, einer Padde und Erich Honecker. Ich freue mich auf Sie!

Das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau

Im April 2013, zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Aufstandes im Warschauer Ghetto, nahm das Museum zur Geschichte der polnischen Juden seine Programmtätigkeit auf. Es ist weltweit das erste und einzige Museum, das die tausendjährige Geschichte der in Polen lebenden jüdischen Bevölkerung beschreibt – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dies ist nicht das nächste Holocaust-Museum, sondern ein Museum für das Leben.

Das Museumsgebäude
Das Museumsgebäude.
Foto: Marzena Świrska-Molenda
Warschau, das Denkmal der Ghettohelden
Warschau, das Denkmal der Ghettohelden.
Foto: Marzena Świrska-Molenda

Der Standort des Museums hat starken Symbolcharakter: Es steht mitten im Herzen des Stadtteils Muranów, direkt gegenüber dem Denkmal für die Warschauer Ghettohelden. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte sich genau hier das Zentrum jüdischen Lebens befunden. Nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten wurde dieser Stadtteil 1940 an das Gebiet des rasch eingerichteten Warschauer Ghettos angeschlossen. Ab 1942 trieb man die Ghettobewohner genau hier entlang zum nahe gelegenen „Umschlagplatz“, von wo aus sie in das nordöstlich von Warschau gelegene Vernichtungslager von Treblinka deportiert wurden. 1943 tobten während des Ghettoaufstandes genau hier die Kämpfe der Aufständischen. Nach der Niederschlagung dieses Aufstandes machten die nationalsozialistischen Besatzer das Gebiet des ehemaligen Ghettos völlig dem Erdboden gleich. Nach Kriegsende enthüllte man bereits 1948 das Denkmal für die Warschauer Ghettohelden. Genau vor eben diesem Denkmal machte 1970 Bundeskanzler Willy Brandt seinen berühmten Kniefall, wodurch er all Jenen seine Ehrerbietung erwies, die hier ihr Leben gelassen hatten.

Das Museumsgebäude selbst ist schon eine Attraktion. Seine Gesamtfläche beträgt 12.800 m². Bei dem 2005 international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewann unter hundert eingereichten Projekten das des finnischen Studios Lahdelma & Mahlamäki. Der Eingang zum Museum befindet sich auf der dem Denkmal zugewandten Seite. Laut dem Vorhaben der finnischen Architekten ergänzt das Museum das Denkmal mit dem historischen Kontext. Das Denkmal erinnert an jene Menschen, die hier starben. Das Museum erzählt von den Menschen, die hier lebten.
Außen fesselt die mit Glaspaneelen überzogene Fassade die Aufmerksamkeit der Besucher, auf denen ein Mosaik aus lateinischen und hebräischen Lettern eingelassen wurde, die ein Muster aus dem sich immer und immer wiederholenden Schriftzug „Po-lin“ ergeben, wodurch an die Legende der ersten jüdischen Siedler auf polnischem Gebiet angeknüpft werden soll. Am Eingang wurde eine Mesusa aus Ziegelstein angebracht, die aus einer der Straßen in der Umgebung stammt. Diese ist für die jüdischen Museumsbesucher besonders wichtig, und zwar zugleich als stummer Zeitzeuge und als Symbol für das sich in Polen erneuernde jüdische Leben.

Das Innere des Gebäudes wiederum überrascht – ähnlich wie das Relief des Denkmals – durch seine Dynamik. Die Haupthalle wird durch eine riesige ungleichmäßig gewellte Wand geschaffen, welche weltweit die Einzige dieser Art ist, da sie gleichzeitig als tragende Wand fungieren muss. Die Halle öffnet sich auf der einen Seite zum Denkmal für die Warschauer Ghettohelden, auf der anderen zu einem Park hin. Der leere Raum im Museumsinnern symbolisiert den Bruch, der sich mit der Vernichtung in der Geschichte der Juden vollzogen hat. Doch damit nicht genug: Die sich über die Halle aufsteigende Brücke erfüllt die Funktion eines Bindeglieds zwischen Vergangenheit und Zukunft. Somit verbindet der Architekt auch beim Gebäudeinneren die Symbolik des Ortes mit der Funktionalität.

Zentrales Element des Museums wird die Hauptausstellung sein, die tausend Jahre Geschichte der jüdischen Bevölkerung Polens präsentiert. Ab 2014 wird sie für Besucher zugänglich sein und nimmt mit 4.000 m² Fläche etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Museums ein. An der Ausstellungskonzeption arbeitete in den vergangenen acht Jahren ein internationales Team, bestehend aus 120 HistorikerInnen und MuseologInnen. Den Ausstellungsautoren schwebte vor, ein narratives Museumskonzept zu erarbeiten in dem Besucher nicht nur Gäste sind, sondern quasi mit den Augen der Beteiligten die Ereignisse betrachten können.

Das Museum zur Geschichte der polnischen Juden wird wesentlich mehr darstellen als nur eine umfangreiche Exponatensammlung. Es ist das größte Kulturprojekt und eine neue architektonische Visitenkarte des modernen Warschau. Also: herzlich willkommen zum baldigen Besuch im diesem Museum!

Übersetzung: Susanne Kramer-Drużycka.

Das Königsschloss Warschau – wie Phönix aus der Asche

Die Geschichte vom Warschauer Königsschloss ist einzigartig. Es wurde im XIV Jh. als Sitz der Herzöge von Masovien gebaut. Im XVI Jh. wurde das Warschauer Schloss die Residenz der Könige und Tagungsort des Parlaments im Doppelreich Polen-Lithauen. Anfang des XVII Jh. verlegte der König Sigismund III aus der schwedischen Dynastie der Wasa die Hauptstadt von Krakau nach Warschau und ließ seine neue Residenz ausbauen.

Warschau, das Königsschloss und die Altstadt
Warschau, das Königsschloss und die Altstadt.
Foto: Marzena Świrska-Molenda
Das Marmorzimmer
Das Marmorzimmer.
Foto: Marzena Świrska-Molenda

Damals ist aus dem Schloss ein Bauwerk von ungefähr demselben Grundriss geworden, wie es ihn heute hat: fünfflügeliges Gebäude im Innenhof, das in seiner Schlichtheit und ausgewogenen Proportionen eher an das Rathaus erinnert. Bereits im XVII Jh. galt das Warschauer Schloss als eine der stattlichsten Monarchenresidenzen in Europa. Im XVIII Jh. war das Schloss das Amtsgebäude der Behörden der jeweiligen Teilerstaaten von Polen und fiel zuerst an Preußen und dann an Russland an. Paradoxerweise erlebte das Schloss gerade damals zur Herrschaftszeit des letzten polnischen Königs S.A. Poniatowski, der auf seinem Hof eine ganze Schar hervorragender Künstler beschäftigte ihre zweite Blütezeit. Der erste von ihnen war der herausragende Porträtist Marcello Baciarelli, der eine Sammlung von Königsporträts schuf. Diese Porträts sind in einem eigens dafür eingerichteten Raum, dem mit schwarzen Marmor verkleideten Rittersaal zur Schau gestellt. Bei dem anderen Künstler handelt es sich um den als Canaletto bekannten Venezianer Bernardo Belotto, der im Auftrag des Königs 23 Ansichten von Warschau geschaffen hat. Die Genauigkeit, mit der er die Architektur der Stadt wiedergab, erwies sich beim Wiederaufbau von Warschau von unschätzbarem Wert, da gerade diese Ansichten als die einzigen Zeugnisse, davon wie Warschau einst ausgesehen hatte den Architekten als Vorlagen dienten. Die Werke von Canaletto kann man heutzutage in dem Canaletto-Saal bewundern, dessen Wände voll mit eigens für diesen Saal geschaffenen Gemälden bedeckt sind. Auch bei politischen Unternehmungen des Königs spielte das Schloss eine bedeutende Rolle. Das größte Werk, das auf dem Schloss seinen Anfang nahm, war die erste und die älteste demokratische Verfassung in Europa die zweite in der Welt, die hier am 3. Mai 1791 verabschiedet wurde. Es ist also auch ein Ort an dem die europäische und polnische Demokratie ihre Gestalt annahm. Im XIX. Jh war das Schloss Sitz der zaristischen Statthalter und seine nächste Umgebung Schauplatz großer patriotischer Ereignisse. Nachdem Polen 1918 die Eigenstaatlichkeit wiedererlangt hatte, wurde das Schloss erneut zu einem Repräsentationsgebäude und fungierte u.a. als Sitz des polnischen Präsidenten. Im September 1939 befand sich das Schloss sehr bald in Gefahr. Bereits im September 1939 hatte Hitler das Urteil gegen das Schloss gesprochen. Das Schloss sollte als Denkmal der polnischen Kultur und Geschichte für immer von der Erdoberfläche verschwinden. Die Deutschen haben bereits im Jahre 1939 in die Schlossmauern Tausende von Löchern für die Sprengsätze gebohrt. Unter diesen Umständen retteten Kunsthistoriker und Architekten vom Königschloss alles, was gerettet werden konnte. Im Winter 1939/1940 baute das Personal vom Schloss unter Lebensgefahr und bei 20 Grad Kälte Türen, Fußböden, Kamine, Holztäfelungen ab. Innerhalb von 3 Wochen lagerten sie in die Keller des Nationalmuseums fast 80% der Kunstwerke aus, die dank dieser Aktion den Krieg überdauern konnten. Glücklicherweise konnte auch ein Teil der sich im Schloss befindlichen Gemälde, u.a. Werke von Canaletto versteckt werden. Während des Warschauer Aufstands, im September 1944 füllten deutsche Pioniere Sprengsätze in die 1939 gebohrten Löcher und sprengten die Schlossmauern in die Luft. Aus der einst königlichen Residenz blieb nur eine Wand erhalten. Das Urteil wurde vollstreckt. Im Jahre 1949 erließ das Parlament der Volksrepublik Polen ein Dekret über den Wiederaufbau des Königsschlosses. Die Kommunisten waren aber dagegen, die alte Residenz der polnischen Könige zu rekonstruieren. Absurde Argumente wirtschaftlicher Natur wurden vorgeschoben. 1971 nutzte man aber die politische Wende in Polen und beschloss über den Wiederaufbau des Schlosses. Die Rekonstruktion des Schlosses wurde größtenteils aus Privatspenden finanziert. Das Hauptkonzept für den Wiederaufbau sah vor, dem Schloss sein Aussehen aus der Zeit vor dem Kriege wiederzugeben und dabei alle geretteten und erhalten gebliebenen Elemente zu integrieren. Nach 3 Jahren (im Jahre 1974) war das Schloss im Rohbau fertig. In den nächsten Jahren wurden Innenräume rekonstruiert und eingerichtet. Hunderttausende von originalen Teilen, die im Zweiten Weltkrieg gerettet wurden, sind an ihrem angestammten Platz zurückgekehrt. Im Jahre 1980, noch bevor die Rekonstruktion der Innenräume zu Ende gebracht war, wurde das Königsschloss auf die Liste der UNESCO Weltkulturerbe eingetragen als Anerkennung für diese beispiellose Leistung. Ausländische Besucher staunen immer wieder, wenn sie erfahren, dass dieses Gebäude vor über 30 Jahren gar nicht existierte. Was heutzutage an diesem Ort zu sehen ist, stammt nahezu vollständig aus den Jahren 1971-1988.

Włocławek – Kopernikus Code

Włocławek, Leslau an der Weichsel oder lateinisch Vladislavia ist die Hauptstadt von Kujawy im Zentrum Polens. Hier leben 120 000 Menschen (im Ballungsgebiet ca. 300.000 Einwohner). Hier können wir viele Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten (Backsteingotik) besichtigen, u.a. die bekannte Kathedrale und Museen. Włocławek ist eingebettet in einen Naturpark mit vielen Seen und liegt am größten Stausee Polens (Wloclawski Haaf). Die Stadt hat malerische Lage und lange Geschichte (die erste Siedlung gab es schon ca. 3000 v. Ch.).

Kopernikusplatz mit dem Denkmal von Nikolaus Kopernikus und die Kathedralschule (Priesterseminar)
Kopernikusplatz mit dem Denkmal von Nikolaus Kopernikus und die Kathedralschule (Priesterseminar).
Foto: Amadeusz Majtka
Włocławek, Heiliges Johannes des Täufers Kirche
Włocławek, Heiliges Johannes des Täufers Kirche.
Foto: Amadeusz Majtka

Erste deutsche Spuren in Włocławek sind mit den Stadtrechten nach Kulmer Recht und der Nachbarschaft mit dem Deutschen Orden nachweisbar.
Eine sehr wichtige Persönlichkeit, die die deutsche und polnische Kultur verbindet, kann mit Włocławek assoziiert werden. Nikolaus Kopernikus wohnte in den Jahren 1488-91 in Vladislavia. Er wurde hier von seinem Onkel, Lukas Watzenrode, in die Kathedralschule in der Nähe des Maria-Himmelfahrt-Dom geschickt. Diese Schule hatte einen guten Ruf, hier ging z.B. eine mächtige deutsche Familie aus Danzig mit Namen Farber zur Schule.
In Włoclawek finden sich verschiedene Werke deutscher Künstler, u. a. eine Epitaphplatte (1493) von Veit Stoss oder ein Candelabrum (1596) von Hans Meyer im Maria-Himmelfahrt-Dom, Skizzen von Albrecht Altdorfer und Kupferstiche von Heinrich Aldegrever in den Kunstsammlungen im Museum des Kujawier und Dobriner Landes. Sehenswert sind auch Holzschnitte des bekannten deutschen Künstlers Albrecht Dürer und die Kunstwerke vom Augsburger Arbeitsraum im Diözesanmuseum.
Hier gab es seit dem 19. Jh. viele große Unternehmer mit der deutschen Herkunft (Gotfryd Gross, Familie Steinhagen, Ferdinand Bohm, Brüder Cassierer, Wilhelm Haack, Hugo Mühsam, Carl Klauke, Teichfeld & Asterblum). Andere große Persönlichkeiten in dieser Zeit waren: Julian Balthasar Marchlewski, Mitbegründer des Spartakusbundes in Deutschland oder Marie Steiner-von Sivers, Anthroposophin und Schauspielerin. Sehr stark war evangelische (lutherische) Gemeinde. Hier verbrachte seine Kindheit Marcel Reich-Ranicki, Publizist und Literaturkritiker. In den Jahren 1939-45 hieß die Stadt Leslau an der Weichsel. Es wurde eine Aktion „Heim ins Reich“ organisiert und kamen viele deutsche Aussiedler.

Die wichtigste Sehenswürdigkeiten sind: Kopernikusplatz, Priesterseminar (erste Seminar in Polen), berühmtes Diözesenmuseum mit der Kunst von Guercino, Caravaggio und Dürer, Sankt-Vitalis-Kirche (1330), Maria-Himmelfahrt-Dom – gothische Kathedrale, eine der ältesten (1340) und höchsten (87 m) in Polen mit der Skulptur von Veit Stoß, Glasfenster (die ältesten in Polen), Gemälden von Francisco de Zurbaran und Juan Correa de Vivar, Boulevard an der Weichsel, Kirche vom Heilgen Johann der Täufer mit dem Skulptur von Jan Baptist aus Venedig oder Museum des Kujawer und Dobriner Landes (Faiance und Kunstchätze von Anthonis van Dyck, Georg Philipp Rugendas, Rembrandt van Rijn oder Parmigianino).

Civita di Bagnoreggio, sterbende Stadt auf dem Tuffhügel

Bagnoreggio befindet sich in der Provinz von Viterbo, fast an der Grenze zwischen Latium und Umbrien. Man erreicht die Stadt, indem man auf der Via Casia bis Montefiascone fährt. Civita di Bagnoreggio steht auf einem erdbebengefährdeten Gebiet, das sich um eine Reihe von Vulkanseen erstreckt: von dem Krater der Amiata bis zu jenem von Bolsena, und dann nach Süden gehend jene von Lago di Vico und Bracciano. Die Stadt erhob sich auf einem lamggestreckten Felsen, der von Osten nach Westen orientiert ist, in dominierender Lage auf einer Hochebene, begrenzt von zwei Flüssen.

Bagnoreggio, Stadt auf dem Felsen mit Eselweg
Bagnoreggio, Stadt auf dem Felsen mit Eselweg.
Foto: Robert F. Barkowski
Bagnoreggio: Innenansicht des Stadttores Porta Santa Maria
Bagnoreggio: Innenansicht des Stadttores „Porta Santa Maria“, mit in den Felsen gehauenen Bogen.
Foto: Robert F. Barkowski

Der Ortsname stammt aus dem Mittelalter: Bagnoreggio kommt von Balneum regis, was „das Bad des Königs“ bedeutet, und bezieht sich auf die Thermalquellen, die es in dieser Gegend gab.

Civita di Bagnoreggio steht auf einem instabilen Boden und mit diesem Problem waren schon die ersten Bewohner konfrontiert. Die Ursprunge der Stadt gehen, wie zahlreiche archäologische Funde belegen, auf die Etrusker zurück, wenn nicht gar auf die Villanovianer (IX-VIII Jh. v. Chr.), wie einige Archäologen annehmen. Reiflich durchgedachte Kanalisationsarbeiten der Etrusker, deren Spuren man heute noch in den Fersen von Civita erkennen kann, zielten darauf ab, die Regenwasser abzuleiten. Mit dem Niedergang des römischen Reiches wurden die Instandhaltungsarbeiten der Kanalstollen vernachlässigt, und die Tonerde füllte sich mit Wasser. Parallel dazu entwickelte sich eine intensive Landwirtschaft, was dazu führte, das die Bäume gefällt wurden, die mit ihren Wurzeln den Boden stabilisiert hatten. So begann der Verfall des Gebietes, dem auch ganze Teile der Stadt zum Opfer fielen, und den ältesten Stadtkern isolierte.

Im XIII Jahrhundert wurde die Stadt berühmt als Heimatstadt einer der größten Figuren der Christenheit: des hl. Bonaventura (1217-1274), der General des Franziskanerordens, Kardinal und Theologieprofessor an der Universität von Paris. Sein Geburtshaus in Civita ist seit langem leider verschwunden, von Erdrutschen und Erdbeben verschluckt.

1450 begann der Klarissinnenkloster im süd-östlichen Stadtgebiet Carcere einzustürzen, zwischen 1466 und 1469 stürzte eine Häusergruppe Richtung Lubriano ein, und 1553 verschwand die Straße, die zum Stadttor “Porta di Ponte” führte. Die Stadtchronisten überliefern immer häufiger Nachrichten über Erdabgängen, Einstürzen, Überschwemmungen und Erdrutschen, die Jahr für Jahr Teile der Stadt verschluckten. Die Situation verschlimmerte sich nach den zwei Erdbeben 1695 und 1764.

Thüringer Bauernhäuser Rudolstadt

Im Heinrich-Heine-Park des Stadtteils Cumbach im thüringischen Rudolstadt entstand 1914 das erste Freiluftmuseum Deutschlands, die Thüringer Bauernhäuser Rudolstadt. Um die historischen Gebäude zu erhalten und die Lebensweise der Bauern vor mehreren Jahrhunderten zu zeigen, wurde dieses Museum von heimatverbundenen Einwohnern Rudolstadts und Umgebung Anfang des 20. Jahrhunderts aufgebaut. Unterstützt wurden sie von der Marie-Richter-Stiftung, die auf eine einflußreiche Fabrikantenfamilie in Rudolstadt zurück geht.

Rudolstadt: Birkenheider Bauernhaus im Winter
Rudolstadt: Birkenheider Bauernhaus im Winter.
Foto: Karin Vogler
Teil des Innenhofes der Thüringer Bauernhäuser Rudolstadt mit den Fachwerkhäusern
Teil des Innenhofes der Thüringer Bauernhäuser Rudolstadt mit den Fachwerkhäusern.
Foto: Karin Vogler

Eines der alten Bauernhäuser wurde im nahegelegenen Unterhasel an der Saale abgebaut, um es dort vorm Zerfall, verursacht u.a. durch häufige Hochwasser, zu retten. Das aus dem Jahre 1667 stammende Unterhaseler Fachwerkhaus wurde Stück für Stück mit den Originalsteinen und -balken am heutigen Museumsstandort wieder aufgebaut.
Ähnlich verfuhr man mit dem Birkenheider Haus, das ursprünglich um 1700 auf der Saalfelder Höhe erbaut worden war.
Diese beiden sehr großen Bauernhäuser bilden den Hauptteil des Museums. Außerdem gehört ein typischer alter Hof mit Scheune, sowie ein nach alten Kräuterkriterien angelegter Garten dazu.

Sowohl im Außenbereich, alsauch im Inneren der Bauernhäuser kann man einen Teil der bäuerlichen Lebensweise von vor über 300 Jahren nachempfinden. So kann man z.B. Feldwerkzeuge wie beispielsweise Pflug und Egge, alte Futtertröge aus der Viehwirtschaft, alte Werkzeuge zur Honiggewinnung und Vieles mehr bestaunen.
Ein modernes Insektenhotel bereichert den Freiluftbereich.
Im Inneren der Thüringer Bauernhäuser sind verschiedenste Einrichtungsgegenstände der Bauern aus vergangener Zeit zu sehen, wie z.B. die von der Küche aus über 2 Etagen beheizten Kachelöfen, Butterfässer, Kuchenformen, immerwährende Kalender, ein Webstuhl, Kinderwiegen, Betten mit Vorhängen, hinter denen Gardinenpredigten gehalten wurden und viele weitere interessante alte Sachen.
Auch den Unterschied zwischen einfachen Waldbauern und Landbauern Mitteleuropas kann man hier kennen lernen.
Besonders erwähnenswert ist die Rohrbacher Apotheke im Birkenheider Haus. Hier wird gezeigt, welche einfachen natürlichen Möglichkeiten früher zur Verfügung standen, um Heil- und Arzneimittel herzustellen und zu verkaufen. Die Olitätenhändler hatten es sehr schwer, mit ihren Heilmitteln über die Wälder von einem Dorf ins andere zu ziehen. Auch ihre Tätigkeit wird in den Rudolstädter Bauernhäusern demonstriert und einige ihrer Mitbringsel aus anderen, weit entfernten Gegenden bis hin zur Nordseeküste ausgestellt. Aus der Zeit, als die Olitätenhändler und Kräutersammler seßhaft wurden und sich die ersten Apotheken entwickelten, stammt die Einrichtung der Rohrbacher Apotheke in den Thüringer Bauernhäusern.

Je nach Jahreszeit kann man sich im bäuerlichen Kräutergarten über die typischen Kräuter Thüringens informieren.
Man kann das Museum von April bis Ende Oktober täglich besuchen. Auf Wunsch werden die Touristen auch geführt.

Der Hof und die Wiesen der Thüringer Bauernhäuser im Rudolstädter Heinepark werden auch häufig für Freiluftveranstaltungen wie kleine Theaterstücke, Open-Air-Kino u.s.w. genutzt.

Aber auch im Winter sind die Thüringer Bauernhäuser von außen im Rahmen eines Spaziergangs durch den Heine-Park ein lohnenswertes Ziel und beliebtes Fotoobjekt. Vom Park aus hat man einen interessanten Ein- und Überblick über den Zaun hinweg auf Hof und die Außenansichten der Bauernhäuser.

Adresse: Große Wiese 2 in 07407 Rudolstadt

Schloss Heidecksburg

Die Heidecksburg ist das Wahrzeichen des thüringischen Rudolstadt und weithin sichtbar. Seit 1571 diente die Heidecksburg als Residenzsitz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Heute befinden sich darin zahlreiche Museen, die Büros der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und das Thüringer Staatsarchiv.

Rudolstadt: Schloss Heidecksburg
Rudolstadt: Blick zur Heidecksburg, zu sehen ist ein kleiner Teil des Westflügels und ein großer Teil der Südseite.
Foto: Karin Vogler

Nach einem großen Brand im Jahre 1735 erfolgte der letzte größere Umbau. Seither prangt das grandiose Barockschloß auf dem Hainberg über der Stadt Rudolstadt im Saaletal.
Der Dichterfürst Friedrich von Schiller erhielt hier 1799 seinen Adelstitel. Auch Johann Wolfgang von Goethe war hier zu Gast.
Heutzutage kann jeder interessierte Tourist oder Einwohner die prunkvollen Festräume im Rahmen einer Führung besuchen, ebenso die sich im Südflügel befindenden und für Besucher wieder hergerichteten ehemaligen Wohnräume der Fürsten.
In den Museen der Heidecksburg kann man sich u.a. über die Regionalgeschichte, Gemälde, das weiße Gold – das auch in Rudolstadt hergestellte Porzellan, Sammlungen des Naturhistorischen Museums, die Schwarzburger Grafen und Fürsten und Vieles mehr informieren.
Regelmäßig wechselnde und Dauerausstellungen laden Groß und Klein auf die Heidecksburg ein. Eine neuere Dauerausstellung heißt „Rococo en miniature“ und zeigt wundervoll gestaltete Schlösserwelten im Kleinformat.

Die Südseite der Heidecksburg mißt etwa 150 m. Davor schließen sich in östlicher Richtung Terassen und der Schloßgarten mit dem Schallhaus an.
Der älteste Teil des Schlosses ist der Nordflügel. Auch der ehemalige Marstall erstreckt sich in nordöstlicher Richtung. Aus Richtung Ost-Südost betrachtet, z.B. von der neuen Stadtbrücke aus, sieht man in die U-förmige Anordnung der Burganlage hinein.
Früher ritt man zu Pferde durch einen Teil des Gebäudes hindurch und gelangte so von einem der Aufgänge von der Stadt direkt in den Hof der Heidecksburg. Dieser Weg ist jetzt für Fußgänger nutzbar und größtenteils mit dem in und um Rudolstadt gewonnenen Saale-Kieselpflaster bepflastert.
Sowohl der Innenhof, alsauch angrenzende Flächen werden häufig für Open-Air-Veranstaltungen genutzt, beispielsweise während des jährlichen Tanz- und Folk-Festivals, aber auch zu vielen anderen Veranstaltungen.

Von der Heidecksburg aus hat man einen wunderbaren Blick auf die gesamte Stadt, die sich über 10 km an der Saale entlang zieht.
Bei guter Sicht kann man nicht nur auf Rudolstadt selbst schauen, sondern in südwestlicher Richtung auch bis zum benachbarten Saalfeld und in östlicher Richtung weit über Kirchhasel und Uhlstädt hinaus.

In Stadtführungen spielt die Heidecksburg zwar selbstverständlich eine Rolle, ist aber als Besichtigungsobjekt selbst nicht enthalten, weil dies jeglichen Zeitrahmen einer Stadtführung sprengen würde.
Einen Besuch auf der Heidecksburg, der auf jeden Fall zu empfehlen ist, sollte man also zusätzlich einplanen.
Die Heidecksburg ist sowohl zu Fuß, alsauch mit Bus und PKW erreichbar.

Die geheimnisvolle, unterirdische Karst Welt

In Slowenien gibt es űber 8000 registrierte Karsthöhlen. Der Karst im Westen Sloweniens hat allen weltweiten karsterscheinungen den Namen gegeben. Die Karstwelt ist geheimnisvoll. Auf der Oberfläche rote Erde, in Stein gehűllte Dörfer. Und unter der Oberfläche? Niemals ausgezählte Karstgrotten! Ein fűr die ganze Welt bedeutendes Naturerbe!

Thron Koenig Matjaž, Županova jama, Grosuplje
Thron Koenig Matjaž, Županova jama, Grosuplje.
Foto: Mateja Kregar Gliha

Die gröβte und die bekannteste ist die Grotte von Postojna. Die Grotte von Postojna hat im Jahre 1819 damaliger österreichische Thronfolger Ferdinand I. besucht- das gilt als Anfang des organisierten Tourismus in Postojna. Bis heute haben die Grotte schon mehr als 34 Millionen Gäste besucht.In ihrem mit Tausenden Tropfsteinen geschműckten Konzertsaal können bis zu 10.000 Personen zugleich gelegentlicher Konzertmusik lauschen. In dieser Grotte lebt auch das gröβte Grottenwirbeltier: der Grottenolm oder Proteus anguinus, der einst fűr ein Drachenjunges gehalten wurde! Hier befindet sich auch das älteste unterirdische Postamt der Welt.

Nicht weit weg befinden sich die Höhlen von Škocjan. Die Grotten von Škocjan mit ihren wilden Schluchten und dem gröβtem unterirdischen Canyon auf der Welt gehören seit 1986 zum UNESCO Welterbe.

Fűr klein aber fein gilt Županova jama oder Burgermeister’s Grotte in Grosuplje, in der Nähe der Haupstadt Sloweniens Ljubljana. Die űberrascht uns mit ihren Formen, eine der feinsten Stalagmiten und Stalaktiten, Säulen und anderen Karsterscheinungen!

Von dieser Grotte wurden sogar Filmredakteuren von Winnetou begeistert. Im Karl May’s Film Old Surehand (Teil 2, Jahr 1964) wurde das General’s Geheimversteck »Labyrinth of Death« in der Burgermeister’s Grotte gedräht!

Der Grüne Ring der Stadt Zittau

Die Stadt Zittau hatte im Verlaufe der Jahrhunderte viele Beinamen. Bekannt ist sie auch als Die Reiche, die Stadt im Oberlausitzer Sechsstädtebund, die Stadt im Dreiländereck und die Stadt der Fastentücher. Interessant ist der gut erhaltene mittelalterliche Stadtkern, der umschlossen ist von Resten der Stadtbefestigung. Diese erinnert an die Erteilung des Stadtrechtes durch Ottokar II. im Jahre 1254.

Zittau, die Kleine Bastei mit Resten der Stadtmauer
Zittau, die Kleine Bastei mit Resten der Stadtmauer.
Foto: Klaus Stich

Eine in den 500 Jahren bis 1277 errichtete 10 Meter hohe Stadtmauer, die unterbrochen war von Befestigungsbauwerken, wie 4 Stadttoren mit Zugbrücke, 12 Wehrtürmen, zwei Ausfallpforten und 13 Bastionen, schützte die Bürger von Zittau vor Angriffen. An den Bauwerken wurde ständig gearbeitet. Die Stadtmauer wurde ab 1513 erhöht und verdoppelt. Die Stadt glich danach einer Festung. Noch im Jahre 1706 wurde die gesamte Stadtmauer neu geweißt. Doch bereits 1732 begann man damit, den Stadtgraben zu verfüllen. Die Stadt brauchte Bauland für öffentliche Gebäude.
Nach den Zerstörungen durch den Siebenjährigen Krieg am 23. Juli 1757, in dem die Österreicher die von Preußen besetzte Stadt einnahmen und das Rathaus, die Johanniskirche und viele andere Gebäude der Stadt in Schutt und Asche legten, entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Leitung des bekannten Baumeisters und Stadtbaudirektors C. A. Schramm, einem Schüler Schinkels, Zittaus Stadtkern in neuer Schönheit.

Damals fassten die Bürger der Stadt den Beschluss, die Funktion der Stadtmauer aufzugeben. 1820 wurde für das gesamte Areal des Grünen Ringes, das sich nun entlang des 3 Kilometer langen Stadtgrabens der Stadtbefestigung erstreckt, ein Planungskonzept erstellt. Der damalige Zittauer Bürgermeister E. F. Haupt suchte und fand dafür professionelle Hilfe in einem Mitarbeiter des Gärtners, der damals im Auftrag von J. W. Goethe und des Herzogs Karl August zu Sachsen-Weimar tätig war. Der Gärtnerbursche Joachim Friedrich Zischling war es, der für die Entstehung des Zittauer Grünen Ringes und für die heutige Gestalt der Anlagen südlich der Kirche zum Hl. Kreuz, die auch das Große Zittauer Fastentuch aus dem Jahre 1472 beherbergt, verantwortlich war. Die Zeit der Umgestaltung des Grünen Ringes dauerte noch bis 1914 an.

Das Schleifermännel am Jungfernbrunnen, heute bekannter als Schleifermännelbrunnnen, ist seitdem ebenfalls zu einem Sinnbild der Stadt geworden, wie die Krokuswiese unter der uralten Platane am Grünen Ring aus dieser Zeit, die später Herrn Zischling gewidmet wurde.
Südlich an die Fleischerbastei angelehnte blüht seit 1907 die Blumenuhr. Daneben spielt das Meißner Glockenspiel, das 1966 von Zittauer Handwerkern gestiftet wurde, halbstündlich bekannte Volkslieder, wie das „Oberlausitzlied“ oder „Sah ein Knab ein Röslein stehen“.

Ein Denkmalpfad führt Sie bei einem Besuch in Zittau darüber hinaus zu vielem Interessanten und Sehenswerten:
– das städtische Museum im ehem. Franziskanerkloster und die Klosterkirche
– die ehemaligen Bierkeller und die Bürgerhäusern selbst, in denen sie sich befinden
– Zittaus Brunnen – der Rolandbrunnen, der Grüne Born, der Herkulesbrunnen, der Schwanenbrunnen, der Samariterinnenbrunnen und der jüngste aus dem Jahr 1977, der Marktweiberbrunnen auf dem Klosterplatz
– die bereits erwähnten Bauten des Stadtbaudirektors Schramm, das Zittauer Rathaus in seiner jetzigen Gestalt, die Johanniskirche und die Baugewerkeschule
– das 1711 erbaute achtgeschossige Zittauer Salzhaus, auch Marstall u.v.a.

Wir laden Sie herzlich in unsere Stadt ein.

Das Ulmer Münster

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts haben die Ulmer Bürger beschlossen, eine Kirche innerhalb der Stadtmauern zu bauen, und die Grundsteinlegung fand am 30. Juni 1377 statt. Die im gotischen Baustil errichtete Kirche, bekannt als Ulmer Münster, wurde zwar erst 1890 vollendet, dafür aber mit einem 161,53 m hohem Turm – der höchste Kirchturm der Welt.

Ulm, das Ulmer Münster, Innenansicht
Ulm, das Ulmer Münster, Innenansicht.
Foto: Federica Tozzi

Und dieser Turm ist heute ein Markenzeichen, nicht nur für das Münster sondern für die Stadt Ulm selbst. Er beherrscht die Gegend und die Stadt optisch – egal von welcher Richtung man sich auf Ulm zubewegt, der Turm sticht als erstes ins Auge; das ist wie in Berlin, egal wo man sich gerade befindet, man kann fast immer den Fernsehturm auf dem Alexanderplatz als Bezugspunkt annehmen. Der Turm des Ulmer Münster prägt deshalb auch viele Motive und Logos, ob von Firmen oder von verschiedenen Organisationen. Im Grunde ist er eine sehr solide Konstruktion: drei Rechteckgeschosse – Glockenraum, Martinsfenster und Vorhalle – umrundet von massiven Pfeilern, die ungefähr 70 m hoch sind.

Über die Baumeister und Baugeschichte kann man sagen, dass die erste Bauperiode sehr wichtig war: der Bau des Chors und die Entstehung der ganzen Anlage. Interessant ist der Fund einer Grabplatte – 2 m lang, 0,90 breit und 30 cm dick, die ohne Inschrift im Inneren der Kirche gefunden wurde, 40 cm tief waagerecht im Boden unter dem nordöstlichen Tor der Kirche – er gibt Anlass zu spekulieren: ist die Platte dem ersten Baumeister gewidmet? Oder nicht einem einzelnen sondern den ersten drei Kirchenbauern gemeinsam? Ein späterer Baumeister wurde urkundlich und namentlich erwähnt: Ulrich von Ensingen, er wird am 17. Juni 1392, im Alter von 30 Jahren vom Ulmer Rat für fünf Jahre als Kirchenmeister bestellt. Später spricht man von der „Epoche der Parler“, der „Epoche der Ensinger“ und der „Epoche der Böblinger und Engelberger“. Die Parler waren eine Familie von Kirchenbaumeistern, der erste von ihnen war Heinrich Parler und ihm folgten Michael Parler und Heinrich Parler d. J. – insgesamt dauerte ihre Epoche von 1377 bis 1391.

Nicht nur von Außen ist das Münster ein bemerkenswerter und bedeutender Bau und ein wahres Kunstwerk der Architektur. Auch die innere Ausstattung ist beeindruckend und hat die Besucher vieler Jahrhunderte fasziniert. Auf der Treppenbrüstung gegen Osten sind eine Menge Namen und Ziffern von Besuchern eingeschnitten; von hervorragender Schönheit ist eine Kanzeldecke aus Lindenholz, eine der wunderbarsten Schnitzarbeiten des Mittelalters. In seinem prachtvollen Aufbau ist eine kleine Treppe mit durchbrochenem Geländer angebracht. Im Chorraum sind noch sechs mittelalterliche Farbfenster gut erhalten. Das Fenster in Nord-Ost Richtung zeigt Szenen aus dem Leben der beiden Johannes. Die obere Hälfte zeigt die Geschichte Johannes des Täufers mit den dazu gehörigen Szenen wie Jesus‘ Taufe oder das Gastmahl des Herodes. Die untere Fensterhälfte zeigt dagegen die Geschichte des Evangelisten Johannes: seine Geißelung, seine Folterung in siedendem Öl und seine Vision auf Patmos. Überhaupt spielen Fenster eine große Rolle in der gesamten Architektur des Ulmer Münsters. Sie sind in verschiedenen Epochen und Kunststillen entstanden. Zu den ältesten gehören die Reste der mittelalterlichen Glasmalerei im Langhaus. Zu den neuesten gehört zum Beispiel das Israelfenster (südliche Eingangshalle) von Hans G. v. Stockhausen und zwei Fenster von Peter-Valentin Feuerstein („Verheißung“ und „Erfüllung“) – von 1985.